Alpenseglerkolonie Stadtkirche

Auf dem 71 m hohen Kirchturm brüten seit über 200 Jahren Alpensegler. Mit rund 90 Brutpaaren ist die Kolonie eine der grössten in der Schweiz. Die Alpensegler sind Zugvögel, sie leben zwischen April und September in der Schweiz und überwintern im südlichen Afrika. Als potenziell gefährdete Art stehen sie auf der Roten Liste des Artenschutzes.

Jungsegler auf Nest

Jungvögel im Nest

Erste Aufzeichnungen von Alpenseglern am Kirchturm in Burgdorf stammen von 1786. Während vielen Jahren brüteten sie ausschliesslich hinter den Zifferblättern, schätzungsweise 10 Brutpaare. Seit 1985 ist auch der Dachraum des Kirchturms für die Vögel zugänglich. Nach 2000 hat Paul Burri dort geschützte Brutnischen eingebaut. Seither stieg die Zahl der jährlich einziehenden Brutpaare auf rund 90. Damit gehört die Alpensegler-Kolonie in Burgdorf zu den grössten in der Schweiz (insgesamt 1800-2300 Brutpaare).

Ursprünglich besiedelten die Alpensegler Felswände, bevor sie uns Menschen gefolgt sind und sich auf hohen Gebäuden in unseren Siedlungen niedergelassen haben. Die Kolonie, die in unserem Kirchturm lebt, ist aber auf die Unterstützung durch die Menschen angewiesen. Diese Pflege beinhaltet jährliche Reinigungs- und Reparaturarbeiten an den Nistplätzen, sobald die Vögel im Herbst in Richtung Süden ausgezogen sind. Vorher werden die Jungvögel gezählt und verwaiste Jungvögel zu den anderen in die Nester gelegt, damit möglichst viele von ihnen überleben können. Diese Arbeiten erfordern ein grosses Engagement von Freiwilligen. In der Stadtkirche kümmern sich seit Jahren Benjamin Pfäffli und seine Leute vom Natur- und Vogelschutz Burgdorf und Umgebung (NVB) um das Wohl der Kolonie.

Herbst 2024: Gesamtsanierung der Nistplätze

Auf dem Kirchturm leben die Alpensegler eng beieinander, was die Verbreitung von Krankheiten begünstigt. Zu schaffen macht ihnen insbesondere die Lausfliege. Sie überträgt den Jungvögeln eine Krankheit, die zu einer hohen Sterblichkeit führt. Im Vergleich zu anderen Alpensegler-Kolonien ist die Dichte der Lausfliegen auf unserem Kirchturm sehr hoch. Der offen gestaltete Brutraum, wo die Segler neben- und übereinander in Sichtkontakt brüten, scheint die Vermehrung der Parasiten zu begünstigen. Während den Reinigungsarbeiten entfernen die Freiwilligen tausende von Lausfliegen-Larven mit Staubsaugern, können dabei aber nicht jede Ritze und Spalte erreichen. Gefragt waren Massnahmen, um die Zahl der Parasiten zu verringern.

Seit 2021 kam für die Alpensegler noch ein weiteres Problem dazu: Dohlen flogen ein und machten ihnen Konkurrenz bei den Nistplätzen. Branchenkenner der Vogelkunde erklären den plötzlichen Zuwachs an Dohlen in Burgdorf mit dem Verlust ihrer Brutplätze bei der Sanierung am Schloss Landshut in Utzenstorf. Letztes Jahr eskalierte die Situation. Die Dohlen annektierten die bestehende Einrichtung der Alpensegler weitgehend. Sie griffen die einfliegenden Alpensegler an, rissen deren Nester weg und bauten ihre eigenen Nester in die Brutplätze. Erstaunlich, wie sich die viel grösseren Vögel durch die nur 60 mm breiten Einflugschlitze der Alpensegler hineinzwängen konnten… Trotz all diesen Anstrengungen bleib der Bruterfolg der Dohlen aber bescheiden. Die Alpensegler konnten immerhin ab Juli ihrem Brutgeschäft noch nachgehen, nach dem Auszug der Dohlen und mit rund einem Monat Verspätung. Doch auch für die verbleibenden 53 Paare lag der Bruterfolg mit 93 ausgeflogenen Jungvögeln fast um die Hälfte unter dem langjährigen Schnitt.

Zur Verbesserung der Situation für die Alpensegler hat der NVB im Herbst 2024, mit Eigenmitteln, eigener Arbeitskraft und finanzieller Unterstützung durch die Kirchgemeinde Burgdorf, eine Gesamtsanierung des Brutraums auf dem Kirchturm in Angriff genommen. Unter der fachlichen Leitung von Mathias Jakob wurde der Brutraum baulich in kleinere, voneinander abgetrennte Brutnischen unterteilt. Durch die Abdichtung der Nischen mit Silikonfugen sollen der Zugang der Lausfliege zu den Jungvögeln erschwert und die Reinigungsarbeiten nach der Brutsaison erleichtert werden. Zudem wurde die Breite des Einflugschlitzes hinter der Dachrinne auf 48 mm verringert, um den Dohlen den Zugang zum Kirchturm zu verwehren. Diese sollen an die Nordfassade des Schlosses umgesiedelt werden, wo für sie 20 neue Nistkästen bereitstehen. Da hoffen wir doch, dass sich die Vögel an diese Vorkehrungen halten und ihren Kampf um die besten Nistplätze am Kirchturm aufgeben!

Jedenfalls sind wir stolz auf unser Wappentier (das unser Logo schon seit Jahren ziert), wünschen ihm einen guten Bruterfolg in den nächsten Jahren, erfreuen uns an seinen akrobatischen Flugeinlagen und Gesängen über dem Kirchbühl und danken allen Freiwilligen, die zu seinem Wohlergehen beitragen!


Martin Bär, Kirchgemeinderat
Text nach einer Dokumentation von Benjamin Pfäffli
Fotos: Benjamin Pfäffli

Weitere Informationen finden Sie beim Natur- und Vogelschutz Burgdorf.

Alpensegler